Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen

Ärzt*innen, die selbst Schwangerschaftsabbrüche durchführen, dürfen nicht über Schwangerschaftsabbrüche informieren – alle anderen hingegen schon. Deshalb möchte ich meine Website auch dafür nutzen, Schwangeren diese Informationen bereitzustellen. Denn ein komplikationsloser Schwangerschaftsabbruch ist nur mit umfassender Information möglich! 

Wenn du schwanger bist, aber überlegst diese Schwangerschaft zu beenden, dann können unterstützende und respektvolle Gesprächspartner*innen hilfreich sein, wie z. B. ein*e Freund*in, ein Familienmitglied oder dein*e Partner*in. Eine vertrauliche und unabhängige Beratung kannst du auch in einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle in deinem Ort suchen. Falls du gern anonym bleiben willst, kannst du auch beim Hilfetelefon „Schwangere in Not“ anrufen: 0800 40 40 020.

Denk bei Gesprächen mit anderen aber immer daran, dass der eventuelle Abbruch deiner Schwangerschaft allein deine Entscheidung ist. Die Beratungen und Gespräche sollten also unterstützend sein, dich jedoch nicht zu einem Abbruch oder zum Austragen deiner Schwangerschaft drängen, obwohl du dies gar nicht willst. 

Sehr wichtig ist außerdem, dass du nicht versuchst, deine Schwangerschaft selbst zu beenden, da das gefährlich und nicht nötig ist!

Die rechtliche Lage

In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche nach Empfängnis straffrei, wenn du vorher eine Beratung in einer staatlichen Schwangerschaftskonflikberatungsstelle in Anspruch genommen hast. Das bedeutet, dass seit dem ersten Tag der letzten Periode nicht mehr als 14 Wochen verstrichen sein dürfen. Wobei sich dies ein bisschen nach deinem Zyklus richtet. Wenn dein Zyklus tendenziell länger ist, dann kann es sein, dass noch ein/zwei Tage draufkommen. Die Praxis, die den Schwangerschaftsabbruch durchführt, findet über einen Ultraschall heraus, wie weit deine Schwangerschaft fortgeschritten ist und ob du dich noch innerhalb der 12 Wochen seit der Empfängnis befindest.

Eine Liste mit den staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen in Niedersachsen findest du hier unter. Pass bei der Auswahl deiner Beratungsstelle auf, dass du nicht aus Versehen an eine staatlich nicht anerkannte Stelle gerätst, da diese dir den Beratungsschein, den du für den Abbruch benötigst, nicht ausstellen darf. Leider gibt es Abtreibungsgegner*innen, die Beratungsstellen wie „Pro Femina“ betreiben, welche darauf abzielen, Frauen nicht neutral zu beraten und ihnen hinterher außerdem keinen Beratungsschein auszustellen, sodass u. U. die Zeit, in der der Abbruch erlaubt ist, verstreicht. Der Name der Stelle „Pro Femina“ ist zur zusätzlichen Verwirrung Betroffener an die staatlich anerkannte und vertrauenswürdige Beratungsstelle „Pro Familia“ angelehnt. Achte also genau darauf, wo du deinen Beratungstermin machst; suche dir am besten eine der Beratungsstellen aus dem oben verlinkten PDF aus.

Die Methoden 

Es gibt zwei medizinische Methoden, wie eine Schwangerschaft abgebrochen werden kann:

  1. Eine kurzer, operativer Eingriff: Hierfür bekommt du eine örtliche Betäubung am Muttermund oder auch eine Vollnarkose, wenn du das möchtest. Während der OP führt dein*e Ärzt*in einen Sauger in deine Gebärmutter ein und entfernt so das Schwangerschaftsgewebe durch Absaugen. Das dauert in der Regel nicht länger als 15 Minuten und nach einigen Stunden Erholung kannst du wieder nach Hause gehen. Innerhalb der nächsten 7-10 Tage kann es zu Blutungen und auch zu leichten Krämpfen kommen. Eine Ausschabung der Gebärmutter mit einem scharfen Löffel wird seit Jahrzehnten nicht mehr empfohlen, denn diese Prozedur dauert  länger und es besteht ein unnötig höheres Risiko für Komplikationen.
  2. Medikamentös: Bis zur 9. Schwangerschaftswoche (also 9 Wochen nach der letzten Regelblutung) kann eine Schwangerschaft durch das Einnehmen von Medikamenten vollzogen werden. Dafür musst du deinen Arzt oder deine Ärztin in der Regel dreimal besuchen. Beim ersten Besuch bekommst du ein Medikament, durch welches der Fötus abstirbt und der Muttermund sich öffnet. Durch ein weiteres Medikament nach etwa zwei Tagen wird das abgestorbene Gewebe durch Kontraktionen der Gebärmutter ausgestoßen. Dieser Vorgang kann in der Praxis oder mit Anweisung zu Hause passieren. Er kann schmerzhaft sein und geht mit Blutungen einher, die zwischen zwei Tagen und wenigen Wochen dauern können. Der letzte Besuch bei deinem Arzt oder deiner Ärztin – ein bis zwei Wochen später – ist dann zur Kontrolle, ob der Schwangerschaftsabbruch erfolgreich war. Wenn du schweres Asthma, eine Blutgerinnungsstörung, eine Leber- oder Nierenerkrankung oder einen erhöhten Augeninnendruck hast, untergewichtig bist, an einer Porphyrie leidest oder Verdacht auf eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (zum Beispiel Eileiterschwangerschaft) besteht, kann es sein, dass ein medikamentöser Abbruch nicht möglich ist – wichtig ist deshalb, dass du mit deinem Arzt oder deiner Ärztin darüber sprichst.

Beide Methoden verlaufen meistens ohne Komplikationen. Über alle Risiken und Nebenwirkungen wirst du vorher natürlich trotzdem von Deiner Ärzt*in aufgeklärt.

Kosten

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Abbruch nur dann, wenn der Abbruch nach einer Vergewaltigung erfolgt, aus medizinischen Gründen unabdingbar ist oder wenn du ein geringes Einkommen hast. Für den Zeitraum vom 01.07.2020 bis 30.06.2021 liegt die Netto-Einkommensgrenze bei 1.258 Euro monatlich. Für jedes unterhaltspflichtige Kind erhöht sich diese Grenze um 298 Euro. Wenn die Kosten für deine Wohnung höher als 368 Euro liegen, ist eine weitere Aufstockung der Einkommensgrenze um maximal 368 Euro möglich. Wenn du keine der genannten Kriterien erfüllst, musst du die Kosten für den Schwangerschaftsabbruch selbst tragen. Ein medikamentöser Abbruch etwa kostet zwischen 200 und 300 €, ein operativer Abbruch ca. 400 bis 600€.

Wer führt Schwangerschaftsabbrüche durch?

Die Bundesärztekammer führt eine Liste über Praxen und Kliniken, in denen Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden.
Achtung: Diese Liste ist nicht vollständig, da nicht alle Praxen und Kliniken wollen, dass im Internet steht, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen, da sie Bedrohung und Verfolgung durch Abtreibungsgegner*innen fürchten. Häufig können dir aber auch die Schwangerschaftskonflikberatungsstellen sagen, welche Ärzt*in in deiner Nähe einen Schwangerschaftsabbruch durchführt.

Für tiefergehende Informationen, kannst du sehr gut auf der Website von profamilia weitersuchen. Dort wirst du noch umfassender informiert und kannst dich schließlich auch individuell weiterberaten lassen. Einen wissenschaftlichen Artikel der Gießener Ärztin Kristina Hänel zum Thema Schwangerschaftsabbruch findest du hier.